Verantwortungsvolle Forstwirtschaft

Wir haben für Sie sechs fsc Projekte ausgewählt, die aufzeigen, wie Lösungsansätze konkret Verbesserungen für die betroffenen Menschen bringen. Texte und Illustrationen entstanden im Rahmen des Kalenderprojektes 2010 © EXP.edition

Kalender Januar 2010

Den Garten Eden gibt es. - FSC hilft, Armut zu bekämpfen

„Ich glaub', ich steh' im Wald!“ Das ist ein negativ konnotiertes Sprichwort. Eigentlich. Aber kann einem etwas Besseres passieren als im Wald zu stehen, wenn man Bauer ist – in Afrika zum Beispiel – und nicht die Mittel besitzt, große, lukrative Flächen Land zu bestellen? Die Früchte wachsen überall. Wie von selbst. Dieser Wald ist ein sich selbst organisierendes System, eine perfekte Symbiose. Und der Mensch hat darin auch noch Platz.

Der Urwald ist ein natürlich gewachsener Acker. Er spendet Leben. Viele Millionen Menschen hängen direkt von Wäldern ab, die sehr mannigfaltige Möglichkeiten bieten, Armut zu lindern. Er sichert den Lebensunterhalt von Menschen. In einem Gemeinschaftswald, der von FSC zertifiziert wurde, erntet die Lomie-Gemeinde in Kamerun, Früchte, Pilze, Honig, Medizin, Wildfleisch, Brenn- oder Nutzholz. Sie verkaufen diese Ernteerträge dann selbst regional oder in Kooperation mit größeren Unternehmen auf dem globalen Markt – mit Hilfe von FSC-Unternehmen, die neben ökonomischen, auch ökologische und soziale Ziele verfolgen und fair handeln. Es liegt an uns, diesen Handel zu unterstützen.


Kalender März 2010

Die Einzigartigkeit des Waldes - Einsatz gegen Entwaldung in Paraguay

Fast gleichberechtigt standen in den Achzigern „Aufrüstung“ und „Waldsterben“ auf den Titelseiten der Gazetten. Ist der Urwald gestorben? Wann war seine Beerdigung? Tatsächlich stirbt der Wald immer noch. Nur würdigt heute keine Schlagzeile mehr das Papier auf der sie prangt oder berichtet über „Entwaldungsraten“, „illegalen Holzeinschlag“ oder „Wiederaufforstung“. Liegt das nur an der Sperrigkeit solcher Begriffe? Oder vielleicht daran, dass wir uns die Rettung unserer Urwälder schon gar nicht mehr vorstellen können?

Das Freiburger Unternehmen Unique Wood gründete 2003 in Paraguay ein Joint Venture mit dem Großgrundbesitzer Sociedad Agrícola Golondrina S.A.: Die Consorcio ForCerPa ist das erste und bislang einzige FSC-zertifizierte Unternehmen in Paraguay. Ziel war es, zu beweisen, dass ökologische und ökonomische Anliegen zu vereinbaren sind. Es sollte möglich sein, einen naturnahen Wald auf der einen Seite nachhaltig zu bewirtschaften und auf der anderen Seite damit wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen. Heute erntet die FSC-zertifizierte Unternehmung weniger Holz als jährlich nachwächst. Mit der Einführung von speziell angepassten forstlichen Verfahren ist es Consorcio ForCerPa sogar gelungen, bereits zerstörte Naturwälder wieder zu verbessern.

Der Urwald ist nicht tot, er lebt und kann gesunden.


Kalender Mai 2010

Ruben und seine Gitarre - FSC-Zertifizierte Musikinstrumente

Ruben war nie Tellerwäscher. Und er wird nie Millionär sein. Aber er hat es geschafft. Er hatte eine Vision und diese Vision setzte er in die Tat um. Seine Geschichte beginnt mit einer Schule und einer Gitarre. Vor vielen Jahren hat er sein Wohnhaus umgebaut, wo er heute jungen Menschen aus seinem Dorf beibringt, wie man Gitarren baut. Gitarren, die aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt sind. Einem Holz, das nicht Mahagoni heißt und nicht Zeder, denn für solches Holz hauen und walzen die großen Firmen riesige Schneisen in den Wald. Zeder und Mahagoni sind bekannt und gefragt auf dem Weltmarkt und die Unternehmen picken sich ohne Rücksicht auf Verluste genau diese Rosinen aus dem Kuchen. Dafür müssen sie tief in den Wald vordringen, sie wollen nur diese Arten Edelhölzer, und die Bestände am Waldrand sind schnell dezimiert.

Wenn es nach Ruben ginge, müssten solche Schneisen nicht sein. Denn er weiß, es gibt weitaus mehr Edelhölzer – auch am Waldrand. Und so fertigt er seine Gitarren aus Hölzern, die zwar unbekannter sind als Mahagoni und Zeder, diesen jedoch in nichts nachstehen. Wenn Ruben es weiterhin schafft, solchen Holzarten zu einer Chance auf dem globalen Markt zu verhelfen, wird sich die Nachfrage nach Edelhölzern auf mehr Arten verteilen.

Die Gitarren von Ruben Gomes sind FSC-zertifiziert, das heißt, die Hölzer stammen aus nachhaltiger und umweltschonender Forstwirtschaft. Das Musikinstrument ist für Ruben Symbol der Hoffnung und ein Instrument, durch das er seinen Schülern einen bewussten Umgang mit der Natur lehrt. Mit seinem Projekt stellt Ruben Gomes, nicht nur in seiner Region, die Weichen für Aussichten auf Arbeit und einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt.


Kalender Juli 2010

Ein Bronzeguan im Eukalyptus-Wald! - Artenschutz in der Plantage

Stellen Sie sich einen wunderschönen frühsommerlichen Abend vor. Sie sitzen, versammelt mit ihrer Familie, unter einem Baum. Und dann, als es gerade Abendessen gibt, ertönt plötzlich ein ohrenbetäubendes Geräusch. Ein schrilles Sausen, ein Krachen, ein dumpfer Schlag, der noch weit in die Ferne hallt. Schrecken. Alle rennen durcheinander, flüchten. Ringsum stehen seltsame und furchteinflößende Gestalten mit orangefarbenem Kopfschmuck. Unverständliche Rufe. Chaos.

Perspektivwechsel. In den Regenwäldern Amazoniens lebt ein Hühnervogel, der Bronzeguan. Dieser Vogel ist vom Aussterben bedroht, weil das Rückzugsgebiet der Tiere von Jahr zu Jahr kleiner wird. In den Eukalyptus-Plantagen von CENIBRA, einem brasilianisch-japanischen Unternehmen, das aus Holz Zellstoff herstellt, haben Arbeiter Brutnester dieser seltenen Vögel gefunden. Die Holzerntearbeiten wurden daraufhin sofort so lange ausgesetzt, bis die Jungtiere fliegen konnten.

CENIBRA wurde im Jahr 2005 FSC-zertifiziert. Durch die Zertifizierung hat sich das Unternehmen zum ökologischen Schutz und zur Entwicklung der Region verpflichtet. Diesem Anspruch kommt es durch einen ethischen und respektvollen Umgang mit Menschen und der Natur nach. Heute stellt das FSC-zertifizierte Unternehmen fast doppelt so viel Waldfläche unter Schutz, wie es Plantagenfläche bewirtschaftet. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz und zur Biodiversität.


Kalender September 2010

Abdul und die Teakholzmöbel - eine Erfolgsgeschichte aus Sulawesi

Abdul Maal ist Schreiner, ein geschickter noch dazu. Wenn man ihn besuchen will, bauen sich die Früchte seiner Arbeit wie ein Hindernisparcours vor einem auf. Teaktüren, Teakbänke, Teakstühle. Doch Falten zeichnen sein Gesicht, die erzählen von anderen Zeiten – von Zeiten, in denen er nie geglaubt hätte, dass er einmal eine eigene Schreinerei haben würde, Zeiten, in denen der Rohstoff Holz in seinem Heimatland Indonesien fast nichts wert war. Und das nur, weil westliche, global agierende Käufer ihm nie den wahren Wert seiner Ware ausbezahlten. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute hat Abdul wieder viel Hoffnung.

Vor einiger Zeit hat sich Abdul der Kooperative Koperasi Hulan Jaya Lestari angeschlossen. Wie seine Partner besitzt er eine kleine Teakplantage. Sie haben ihre Parzellen zusammengelegt und gemeinsam betreiben sie nachhaltigen Teakholzanbau – ökonomisch sinnvoll und ökologisch wertvoll. Die Genossenschaft hat sich auf die Fahnen geschrieben: „Für jeden gefällten Baum, pflanzen wir zehn!“ Dafür hat die KHJL, als erstes Gemeinschaftsprojekt überhaupt in Indonesien, eine FSC-Zertifizierung erhalten. Mit diesem Siegel bekommt die Kooperative den tatsächlichen Wert für ihr Teakholz und FSC hilft ihnen, das Holz zu vermarkten. Damit öffnete sich die direkte Tür zum Weltmarkt. Fairer Handel! Und mit den Reststücken aus seiner Teakplantage baut der Schreiner Abdul Möbel, die er regional vertreiben kann.


Kalender November 2010

FSC und die Paranuss - Kosmetikartikel aus dem Urwald

Im Amazonasbecken lebt das Volk der Kayapó-Indianer. Die Kayapó stellen traditionell Öl aus Paranüssen her. Sie gehen schonend und sehr bewusst mit ihrer Natur und Umwelt um, und deswegen erhielten sie für ihr Anbaugebiet ein FSC Zertifikat. Das Öl verkaufen sie direkt an die brasilianische Kosmetikindustrie, zu einem fairen Preis – darum kümmert sich die Non-Profit-Organisation FSC.

Produkte aus FSC-zertifizierter Herstellung erlangen immer mehr Bedeutung und werden weltweit immer häufiger gekauft. So wird auch das FSC-Öl aus dem brasilianischen Urwald stark nachgefragt und die Kayapó sind sehr stolz darauf, dass sie selbst Reichtümer aus ihrem eigenen Wald gewinnen und ganz besonders darauf, dass sie ihre Tradition leben können und diese respektiert wird.